Elitenbildung

Bildung für Alle?
Oder Hilfe die Elite kommt…

Jede/r Psychologiestudent/in kennt das: Trotz Pünktlichkeit kein Platz im Hörsaal, semesterlanges Warten auf Proseminare, persönlicher Kontakt zu den Lehrenden bleibt reines Wunschdenken, usw. Es gibt einfach zu wenig Psychologie für zu viele Studierende, daraus entsteht Stress, Konkurrenzdruck und Ellbogenmentalität…
Ist wirklich die Studierendenanzahl das Problem?
Viele junge Menschen in Wien entscheiden sich für die „Wissenschaft vom Menschen“, vielleicht um sich und Andere besser zu verstehen, oder Menschen, die Hilfe brauchen, adäquat beraten und unterstützen zu können. Das ist eine ganz schlechte Idee, hört man aus dem Institut und dem Rektorat. Aber ist diese Lebensvorstellung wirklich so absurd, in Zeiten von ständig steigenden Scheidungsraten, immer höheren psychischen Belastungen am Arbeitsplatz und sehr komplexen globalen Entwicklungen?
Wieso gibts für uns kein Geld?
Niemand kann behaupten, dass Österreich keine Psycholog/innen, oder andere hochqualifizierte Arbeitskräfte braucht. Aber angeblich ist ein freies Studium für Alle vom Staat nicht finanzierbar.

Der Sachzwang Budgetnot schafft sich seine eigene Realität. Alternativen zu einer Beschränkung des Bildungszugangs werden mit dem Argument „unfinanzierbar“ abgeschmettert. Dass qualitativ hochwertige Bildung sehr wohl finanzierbar ist und eine Frage von budgetpolitischer Prioritätensetzung, wird tunlichst verschwiegen.
Deutlich sieht mensch am aktuellen Budget der Regierung, dass die Schwerpunkte auf Konzerninteressen-durchsetzen und nicht auf Bildung und Forschung gelegt wurden. Außerdem sind immer noch ein paar Millionen Euro übrig für so wichtige Dinge, wie scheinheilige Jubiläumsjahrfeiern oder Parteispaltungen.
Internationale Beispiele, wie jenes der skandinavischen Bildungspolitik zeigen jedoch, dass offener Bildungszugang und qualitativ hochwertige Bildung kein Widerspruch ist. Hohe staatliche Finanzierung und freier Zugang kennzeichnen das skandinavische Modell. Das schlägt sich auch auf die Wirtschaftsdaten nieder, bei denen diese Länder besser als Österreich dastehen.
Bildung als Ware
Auch das Verständnis von Bildung steht hinter den aktuellen politischen Entscheidungen.
Im neoliberalen Sinn werden Bildungskosten als „Investitionen“ umdefiniert und damit erhöht sich der Druck auf das Bildungssystem quantifizier-bare und schablonenhafte LeistungsträgerInnen herbeizuführen. Oft wird als Argument ins Treffen geführt, die Förderung Weniger erzeugt einen größeren gesellschaftlichen Nutzen, als eine gleiche Förderung vieler. Das ist der Startpunkt für das Schlagwort der „Elite“, das derzeit schon mit dem Projekt Privatuniversität konkretisiert wird.
Elite: woher und wohin…
Der Begriff Elite ist immer damit verbunden, dass eine kleine Minderheit aus sozialen, begabungs- oder leistungsbezogenen Gründen über einer großen Mehrheit von Menschen steht, die nicht die selben „natürlichen“ Voraussetzungen mitbringen. Der Ruf nach Eliten war und ist daher immer mit Ausgrenzung und Selektion verbunden.
Was heißt das für…
-die Menschen, die studieren wollen: nur für Wenige, finanziell bessergestellte, gibt es noch hochwertige Ausbildungen
- die Wissenschaft: eine homogenisierte Elite steht Entwicklung und Innovation entgegen.
-die Gesellschaft: Das Wissen und damit auch die Macht, bleiben in den Händen von Wenigen. Die meisten Menschen müssen sich in Abhängigkeitsverhältnisse begeben und sehen keine Möglichkeit gesellschaftlicher Veränderung.
Ziel einer modernen Bildungspolitik sollte daher nicht die Reproduktion und Abschottung von Eliten sein, sondern ein freier und gleichberechtigter Zugang zu Wissen und Bildung um politischen, sozialen und technologischen Fortschritt und Veränderung zu ermöglichen.
wir von KRIPS fordern daher:
-freien Hochschulzugang statt Beschränkungen (Studiengebühren, Selektionsprüfungen)
-Förderung der Vielfalt statt Diskriminierung
-Breites und alternative Lehrangebot statt Fokussieren auf wirtschaftlich Verwertbares (Kritische Psychologie)
-Ausreichende Finanzierung unserer Universität statt Sparen für eine Eliteuniversität!

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