Stellungnahme zur Eingangsphase
Seit einigen Jahren werden StudienanfängerInnen nun mit der Ringvorlesung samt verpflichtender Eingangsprüfung „begrüßt“. Dies scheint uns kein glücklicher und sinnvoller Einstieg ins Psychologiestudium. Warum?
Zum Ersten werden aufgrund der Durchführung der Ringvorlesung bestimmte Haltungen und Einstellungen zum Studium vermittelt. Für Bereitschaft zur Reflexion, zur Auseinandersetzungen mit dem „Gelernten“, Kritikfähigkeit etc. scheint aufgrund des großen Zeitdrucks, der erzeugt wird, kein Platz zu sein. Uni sollte aber mehr sein als die bloße Anhäufung von vorgegebenem Lernstoff, finden wir.
Weiters verursacht die Ringvorlesungsprüfung als „Begrüßung“ ins Studium eine Phase von intensivem Stress, Hektik und möglicher Unsicherheit. Hier stellt sich die Frage, ob dies Wertvorstellungen und Lebenshaltungen vermittelt, die künftige PsychologInnen auszeichnen sollen.
Die Durchfallsrate bei den Prüfungsterminen ist nicht unerheblich. Falls der erste Prüfungstermin nicht geschafft wir, kommt es in weiterer Folge sehr leicht zu Studienzeitverlängerungen. Dies erscheint uns als eine unnötige Verunsicherung und Hürde am Studienanfang.
Außerdem steht hinter der Eingangsprüfung auch noch die Angst vor den „viel zu vielen Psychologiestudierenden“. Prinzipiell halten wir studierende Menschen (und Menschen insgesamt) jedoch für kompetent, Lösungen für schwierige Situationen, z.B. für die Situation des „Massenstudiums“ zu finden, ohne auf Selektionsmechanismen zurückgreifen zu müssen.
Wenn die Prüfung geschafft ist, dann wird aber nach unserer Erfahrung erst recht, zumindest bis zum Abschluss des ersten Abschnitts weiterstudiert – Im Sinne von „jetzt hab ich sie, jetzt muss ich auch weiter machen“.
Last but not least stellt sich die Frage, ob mit der Ringvorlesung samt Prüfung wirklich die „Geeigneten“ ausgewählt werden? Was heißt es überhaupt, fürs Studieren und als Psycholog/in „geeignet“ zu sein?? Wer setzt die Kriterien dazu fest?
Wir möchten diese Frage zum Anlass nehmen um auf die aktuellen Bemühungen der Fakultät für Psychologie hinzuweisen, die aller Voraussicht nach plant, die Eingangsphase umzugestalten, indem psychologisch diagnostische Verfahren eingesetzt werden, um mögliche erstsemestrige Studierende auf Eignung zu testen.
Wir stellen uns eine Eingangsphase für das Studium der Psychologie allerdings etwas anders vor. Unsere Gedanken zu dieser Problematik möchten wir hier grob skizzieren.
Statt sinnlos Prüfungen oder Selektionstestungen zu veranstalten schlagen wir ein einführendes Praktikum am Studienbeginn vor. Dieses Einführungspraktikum sollte nicht als Selektion, sonders als Studieninformation dienen. Ziel ist es, möglichst praxisnah Ausprägungen des Berufs des/r PsychologIn vorzustellen, aber auch möglichst realistisch den Ablauf des Studiums zu skizzieren. Denkbar wäre hier zum Beispiel eine Übung innerhalb des Praktikums, wo über aktuelle Fachartikel gesprochen wird. Dieses Praktikum sollte drei bis vier Wochen dauern und anwesenheitspflichtig sein. Auf eine abschließende Prüfung kann beruhigt verzichtet werden, da ja nicht Selektion, sondern Aufklärung das vorrangige Ziel darstellt.
Pragmatischen LeserInnen dürfte an dieser Stelle nicht entgangen sein, dass solch eine Idee vor allem kostspielig wäre, da ja alle Erstsemestrigen Anspruch auf so ein Praktikum haben müssten. Auch hier haben wir Lösungen erarbeitet!
Im Rahmen der z.B. Bildungspsychologie im zweiten Abschnitt werden zweisemestrigen Seminare angeboten, wo im ersten Semester das Handwerkszeug zum Organisieren von solch einem Praktikum gelehrt wird und das zweite Semester bereits die Abhaltung darstellt. Höhersemestrige Studierende halten also dieses Praktikum. So werden nicht unnötig Ressourcen des Lehrpersonals vergeudet und die innovative Neugestaltung der Einführungsphase wäre ohne weiters machbar.
wir von KRIPS fordern daher:
freien Hochschulzugang statt Beschränkungen (Studiengebühren, Selektionsprüfungen)
Information statt Selektion
Breites Lehrangebot statt Fokussieren auf wirtschaftlich Verwertbares (Kritische Psychologie)
Alternative Denkansätze auch auf unserer Fakultät statt Sparen für eine Eliteuniversität!